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Die weitaus zahlreichste Gruppe der Flurnamen hält die Beziehung der Flur zu einem

Besitzer oder Inhaber

fest. Da stellen wir in erste Linie die paar ältesten Flurnamen dieser Art, Namen, die vermutlich noch aus vorfränkischer und fränkischer Zeit zwischen den Jahren 400 und 800 unserer Zeitrechnung herrühren. Es sind die 4 Namen Garbischbol, Romebuck, Gisbüel und Bettebuck. Wie ist es damit?

Als vor gut 1500 Jahren bei der endgültigen Alamannen - Ansiedelung Geilo, d. h. der, Mutwillige, als Sippenhaupt mit vielleicht 6 andern, nahverwandten Familienvätern sich dort festsetzte, wo man heute noch sagt "ze den Geilingen", d.h. bei den Angehörigen des Geilo, damals begaben sich ein oder zwei Verwandte eine Viertelstunde rheinaufwärts und es entstand die Niederlassung ze den oberen Geilingen, wo bisher schon ein römischer Hof bestanden hatte und jene ersteren waren damit ze den nideren Geilingen zuhause. Einige weitere Ansiedler verzogen sich eine Viertelstunde rheinabwärts und setzten sich dort auf einigen Bölern und Bücken fest, wo nach beidseitigen Abmachungen die Markgenossenschaften der Geilingen und der Bosingen zusammenstiessen. Die Alamannen waren niemals Herdenmenschen, im Gegenteil, es lebte jeder gerne so viel als möglich auf eigene Faust, und an vier Exemplare solcher ausgesprochenen Eigenbrötler, namens Garman, Roma, Giso und Petto, erinnern uns heute nach 1 1/2 Jahrtausenden vier unserer Flurnamen. Sie bauten sich hier ihre Blockhäuser und suchten, seis als Einspänner, seis als Hausväter, so gut als möglich ihres Lebens froh zu werden. Frauen und Kriegsgefangene besorgten Haushalt und Feldbau. Sie selber sorgten für Sicherheit, Ordnung und Wildbret. Viel und gerne jagten sie im Wald und am Wasser, Teils um der Aussicht, noch mehr aber um der Sicherheit willen errichteten sie ihre Behausungen, geschützt durch Palisaden und feste Zäune, auf Bodenerhöhungen, ansehlichen Ueberresten von Moränen, die der Rheingletscher hier hat liegen lassen.

 

 

 

Also nicht, wie es mit den ersten, uns mit Namen bekannten Dörflingern tatsächlich gewesen sei, wird jetzt festgestellt, sondern nur wie es gewesen sein kann, denn wir kennen nur ihre Namen und Wohnplätze und ungefähr ihre Zeit. Garman hauste auf Garmansbol, 1554: uff dem Garmensbol, heute Garbischbol. Er war der Mann des Wurfspeeres. Der Ger, ein schwerer Wurfspeer aus Eschenholz ohne, aber auch mit Eisenspitze, war die Urwaffe der Germanen. Wie sehr sie diese Waffe liebten, verrät sich uns darin, dass sie ihre Buben gerne mit Namen benannten, darin das Wort Ger vorkommt. Ich zähle momentan zwanzig solcher Namen, z.B. German, Mann des Wurfspeeres; Gerhard, der Speerstarke; Gerald oder Gerold, der Speerwalter; Gerwin, der Gerfreund; Gerwig, Geweihter des Wurfspeeres. Wenn wir heutzutage unter einer der niedrigen, festen Föhren des Garbischbols stehen und die Aussicht bewundern, - ringsum nah und fern fleissig bebautes Feld und fast all das Feld rings umgeben von ruhevollem sattgrünen Wald -, dann möge der Name des Aussichtspunktes uns Bilder aus seiner Vergangenheit vor das innere Auge stellen! Etwa wie der Garman, bewundert von den Seinen, den wuchtigen Speer sechzig Meter weit wirft, sodass er mit schwerem Aufschlag von dem Felsblock ob den Steinäckern zurückprallt.

Vom Garbischbol sieht man hinüber zum Romebuck. Die sanfte Rundung des Bols fehlt dem Buck, der entschiedener von der Erde sich aufbiegt, 1554: zwei juchart ackers am Roma. Der Rome mit Romebuck und Romebode und hinterm Rome ist eine recht ansehnliche Flur.
Das Wort kann nicht anders gedeutet werden, denn als Eigenname. Mit Rom oder Raum oder Rahmen oder Rahm hat es nichts zu tun. Das althochdeutsche Wort Hruom und Ruom sowie die Nebenform Hruod und Ruod hatte die Bedeutung Ruhm, in unserer Mundart Ruom. In einer Menge von Personennamen kommt es vor und ist nichts anderes als die abgekürzte Rufform dieser Namen, wie Romarich, Romuald, Rumbald, d. h. der Ruhmreiche, rühmlich Waltende, durch Kühnheit berühmt, auch in der Nebenform Roderich, Rodewald, Rodbert und Robert und Rupprecht = durch Ruhm glänzend, Ruodolf = Ruhmeswolf usw.
Unser Mann hiess bei Lebzeiten wahrscheinlich Chruom und sein Wohnsitz Hruoma. Wenn er uns durch Urkunden lieber wird, so nehmen wir an, er habe ein paar hundert Jahre später gelebt und er sei jener sehr angesehene Edeling Ruom gewesen, der in Merishausen in einer Urkunde vom Mai 844 als erster von 13 Zeugen angeführt wird in einer Schenkung an das Kloster St. Gallen. Dann war er vielleicht auch derselbe, der schon im Mai des Jahres 830 in Büsslingen in einer ähnlichen Urkunde mit dem Namen Ruom als 4. von 35 Zeugen angeführt ist. Von diesem sehr häufigen Kurznamen der kriegsruhmdurstigen Alamannen leiten viele schweizerische Ortschaften ihre Namen ab, so der Weiler Roma bei Amden, Romeschwand, Romestalden, Rombach in Graubünden, Romont in der Waadt, ebenso die Namen mit Ram, wie Ramsheim = Ramsen. Der Hallauer Geschlechtsname Rahm dagegen hat damit nichts zu tun. Dieser, ursprünglich Raman geschrieben, bedeutet wahrscheinlich den Rainmann, der auffallender und verwegener Weise vor dem Dorf draussen auf dem Rain wohnt.

Wir lassen unsern Romebuck und schauen zum nahen Gisbüel auf. Dort oben wartete wie ein Adler von seinem Horste aus, wie das an anderer Stelle ausgeführt ist, vermutlich schon vor Geilos Zeit, Giso, der kühne Anführer eines alamannischen Freischärlerhaufens, der den römischen Grenzwachen drüben überm Rhein ihr Leben sauer machte. Giso, so wurden einst viele Knaben und Jünglinge der Alamannen gerufen, denn das war die Kurzform der vielen Namen, die mit Ger - oder, wie früher das Wort gelautet hatte, mit Gis - gebildet waren; wie Gerbert oder Gisbert, der Speerglänzende, Ger- oder Gisbald, der Speerkühne, Ger- oder Gismund, der Speerschützer u. s. f. Viele Ortsnamen der deutschen Schweiz bestätigen die Beliebtheit des altdeutschen Namens Giso oder Gis und Gisi und Gisilo, so z. B. Gishalden und Gishubel, Giswil in der Innerschweiz, Gislikon und Gislifluh, Aargau, Gisibach und Gisenhart in der zürcherischen Nachbarschaft.
Und Dörflingen hat also einen Gisbüel; es hat ihn aber so, als hätte es ihn nicht, denn es sind ihrer viele, die den stolzen Namen für die freieste Höhe auf uiiserm Grund und Boden gar nicht kennen. Es scheint, dass der Gichbüel den Gisbüel umgebracht habe und das heisst, kindischer Unsinn hat altüberlieferten besten Sinn aus der Welt geschafft! Solchen Sachen muss man zusehen! Und im Uebersichtsplan des Grundbuches von 1936 ist der Gisbüel zum Gaisbühl geworden; d. h. der stolze Edeling Giso vom Jahre 375 ist zu einer namenlosen badischen Geiss geworden! So gehen die unberufenen Sprachkünstler mit unsern Flurnamen um. Sie sagen: "Gisbüel wird eben ein Geissenbühl gewesen sein, also müsste man eigentlich Ziegenbühl schreiben. Aber dafür sind unsere Leute zu schwerfällig. Also kommt man ihnen entgegen und schreibt Gaisbühl, das ist auch hochdeutsch!"

Vom Ausblick auf dem Gisbüel als dem zierlichen Erker an der Südfassade des Gailingerberges ist an anderer Stelle ausführlich die Rede. Hier soll nur der Hoffnung Ausdruck gegeben sein, dass kein heimatliebendes Dörflinger Gemüt mehr sei, das nicht in der Erinnerung an den Gisbüel das umfassende Bild von der Schönheit seiner Heimat unverlierbar in sich trage.

 

Wir wenden uns zum vierten der alamannischen Vorfahren, das ist zum Petto auf dem Bettebuck. Ein Misstrauischer meint vielleicht: Wozu immer nach alten Heiden fahnden? Es liegt doch auf der Hand, dass da an Betten oder Beete zu denken ist; also einfach an eine saubere Einteilung von Gartenland auf unserer Bette will der Name erinnern! Hiegegen ist zu bemerken, dass es sich bei der Flurnamendeutung nicht um Einfälle handelt, die man nachträglich zu begründen sucht, sondern um wirkliche Erklärungen mit Hand und Fuss aus Philologie und Geschichte. Diese beiden lehren uns, dass es Betten oder Beete da oben gar nie gegeben hat, Aber Männer, welche Petto hiessen, gab es in ferner Vergangenheit hier herum genug. Im Jahr 846 z.B., als Karls des Grossen Enkel über diese Lande gebot, schenkte der Hegaugraf Lütold dem Kloster St. Gallen allerlei Grundbesitz in Merishausen. Die Urkunde, in Ramsen geschrieben, ist neben andern Zeugen von einem Petto unterschrieben. Das war ein Edelfreier aus der Umgebung; wohl möglich eben der, nach dem unser Bettenbuck genannt ist, auf welchem er seine Pferde weiden liess. Zum Bettenbuck gehörte aber damals die ganze Anhöhe von der Rodertann an bis weit hinauf. Neben diesem Petto unterschrieben noch zwei Pato, und das wird wohl derselbe Name gewesen sein in etwas veränderter Aussprache und Rechtschreibung. Dass es in jener Zeit viele Petten gegeben hat unter denen, die das Land in Besitz nahmen und von denen Oertlichkeiten ihren Namen erhielten, das bezeugt uns die schweiz. Ortskunde, Sie kennt drei Dörfer namens Betten in Appenzell, St. Gallen und Wallis und ein Bettens in der Waadt; dazu gibt es eine Bettenalp, eine Bettenau, ein Bettenhusen, ein Bettingen, ein Bettlach, ein Bettwil, ein Bettwisen. Mit einem Bett haben alle diese Ortsnamen nichts zu tun, sondern nur mit dem uralten Personnamen Petto. Aus unsern Urkunden ist zu ersehen, dass erst 1535 das Holz da oben uff Betten gereutet wurde und 1536 "hand Hans Keller und sin schwester Margret zwei juchart ackers uff Betten inn". Später ist vom Bettenacker die Rede, und schliesslich heisst es "uff der Betten". Denn, wenn man einen Flurnamen nicht mehr versteht und nicht weiss, ob das oder die oder der, so sagt das Volksgemüt die.

Nahe dem Betten liegt der Bregenzer. Dieser Mann lebte mindestens 500 Jahre später als der Petto, nämlich im 15. Jahrhundert. Darum heisst 100 Jahre nachher noch, anno 1535, die Flur richtig am Bregenzer und ufm Bregenzer, Bregenzerbuck und -bühel. Heutzutage sagt man freilich schon gerne uff der Bregezze. Ein Haintz Bregentzer stand einst im Solde - der Stadt St. Gallen im Krieg gegen das Kloster, 1401 - 1404', ein Gefährte des Haini Kymm von Bludenz, und setzte sich vielleicht zugleich mit diesem hier fest. Ich kann das nicht beweisen, aber es kann sehr wohl so gewesen sein, und damit hätte der Flurname einen guten Sinn.

Es folgt eine Reihe von Besitzer - Flurnamen, die ihre mehrhundertjährige Existenz wahrscheinlich ihrem packenden, komischen oder musikalischen Klänge verdanken.

Da ist der Engelhartsgarten. Der Name fehlt leider im Uebersichtsplan des Grundbuches vom Jahre 1936, ist aber tatsächlich noch in Gebrauch heute fast wie vor 540 Jahren. Vier juchert, genannt im E., heisst es 1536. 1404: ein acker, ist zwo juchart, im Engelhartsgarten. 1554: ist ein juchart ackers in Engelhartsgarten zwischen Hannsen und Kaspar der Sutor und Martin Huebers gelegen, stost Ufa den eegraben an die Schottenwiesen. Der Ehgraben bedeutet den recht- und gesetzmässigen "eebigen" Graben des Baches, Engelhart Spiser war anno 1415 ein vornehmer Ratsherr von Diessenhofen, der Führer der dortigen Bürgerschaft in ihrem Kampf gegen die Vorherrschaft der Adeligen. Der schön klingende Name ist übrigens ein Beispiel dafür, wie leicht eine Glaubensänderung u. U. zustandekommt. Hier ist nämlich durch eine kleine Buchstabenänderung aus einem heidnischen ein scheinbar christlicher Name geworden. Angilhart hiess einst stark durch den Angil. Der Angil war die Lieblingswaffe der Angeln, wie der Sax der Sachsen, der Ger der Germanen. Um, obwohl christlich geworden, den prächtigen Heidennamen behalten zu können, ersetzte man das A einfach durch ein E, genau wie die Engelländer es machten. Aber was soll nun Engelhart heissen? "hart und stark und fürchterlich durch die Engel oder wie die Engel?" - Nein, der Name war doch zu billig christlich geworden.

 

 

Auf Engelhartsgarten folgt der Gailinger Grenze nach der Geuggis bis hinauf zu den Lören. Es muss viel Gutes an dem Geuggis sein, denn nach dem Grundbuch teilen sich 30 Besitzer in das Stück Land, über das allerdings die Grenze läuft, sodass
das grössere Stück vom Geuggis drüben im Reich liegt, Gogis, Gögis, Geügis, heisst es in den Urkunden. 1554: drei juchart ackers im Göggis, stost hinden uf den Trifuess. Es steckt ein wenig Spott in dieser Wortfamilie, zu der auch der Göggel und der Fidigäuggis gehört. Es ist aber trotzdem längst der ehrliche Name Geuggis daraus geworden, der noch heute droben bei Eschenz und der Enden zuhause ist.

Neben dem Geuggis liegt der Chriechli auf unserem Feld, etwa wie der betr. Geuggis und der betr. Chriechli in Diessenhofen nebeneinander wohnten. Der Erzvater der Chriechli hiess der Griech, er war wohl in Griechenland gewesen. Seine Nachkommen hiessen zuerst die Griechli, wurden aber unter der Hand zu Kriechli und Chriechli und zwar in Diessenhofen, und wetteiferten daselbst mit den Chüechli in einigen Bürgertugenden.

Aehnlich steht es mit dem Chrutliacker. Es war irgend ein gelungener Krauter im nahen Städtchen, vermutlich der Sauerkrauter, man nannte ihn den Chrutli, liebkosenderweise. Nun lebt er bei uns in seinem Acker immer noch fort, obwohl er längst gestorben ist. Aber Kräutliacker zu schreiben, wie man tut, ist ganz falsch.

Neben dem Chriechli liegt der Trifuess. Der dreibeinige niedrige Schemel war einst bei den alten Griechen und Römern und später bei den alten Deutschen eine ganz unheimliche Dreibeinigkeit. Am heimeligsten spielte er noch seine Rolle, wenn der Zinsherr ihn holen musste, damit man die Probe machen konnte, ob der alte Güggel oder das alte Huhn, die der Lehensmann als Zins um Martini brächte, noch hinauf- und hinunterhüpfen könne. Wenn sie das nicht mehr zustandebrachten, dann musste das Bäuerlein sie wieder mitnehmen und jüngere Jahrgänge herbringen. Heimelig in anderm Sinn war es, wenn einer sich ein Heim gekauft hatte und es vor Zeugen "in Besitz" nahm, indem er auf dem Dreifuss über die Schwelle hineinrutschte und drin sitzen blieb. Das Gegenteil widerfuhr ihm, wenn ihm der Dreifuss vor die Tür gesetzt wurde. Solche sinnbildliche Handlungen vor geladenen Zeugen ausgeführt, waren in Zeiten, da man weder schreiben noch lesen konnte, rechtsgültige Akten, d. h. Geschehnisse. Doch wir brauchen auch da nicht in die Ferne, in fernes Altertum zu schweifen, denn sieh, der Dreifuss kam uns natürlich von Gailingen oder Diessenhofen. 1536 heisst es im Verzeichnis des Dörflinger Vogtkernens: Hanns Schaffrat von Diessenhofen git ein schilling sechs heller von zwei juchart ackers genant der trifuss, stost uf Hensli Rülis Gögisacker. Die heutigen Herren Dreyfuss sagen uns, ihr in Frankreich viel verbreiteter Familienname habe natürlich weder mit drei noch mit Fuss etwas zu schaffen, sondern es sei ein sehr alter französischer und spanischer Gelehrtenname, der "Trifous" geschrieben worden sei, was dann eben leider ins Deutsche verdreht wurde.
Der Name könnte auch den umgekehrten Weg gemacht haben, aus dem Schwabenland nach Spanien. Die Dörflinger Erde aber, die im Jahr 1536 etwas fremdartig trifuss, wohlgemerkt nicht trifuess, hiess, trug den Namen damals schon seit zweihundert Jahren, nach 1350 hätte sie den Namen kaum erhalten, aus guten Gründen. Der Schaffhauser Ratsherr Conrad der Dörflinger geschäftete 1325 mit Juden, und vermutlich gern. 1348 und 1349, während einer furchtbaren Pestzeit, wurden die Juden wie in Schaffhausen, so in der ganzen Schweiz beraubt und, wenn sie trotzten, lebendig verbrannt. Diese Exzesse waren Verlegenheitsversuche des Mittelalters, den Schrecken und das Grauen ob dem furchtbaren Sterbet los zu werden. Aber 20 Jahre später waren sie schon wieder da, denn sie hatten vom Papst und Kaiser die Erlaubnis, Geld gegen Zins auszuleihen, was den Christen verboten war, und das bedeutete. Man konnte es nicht machen ohne die Juden, so wenig als man es ohne Geld machen konnte, Immer wieder entbrannten Judenverfolgungen aus Hass gegen die Wuchergeschäfte und aus Neid, aus Aberglauben und aus russischem Hass. So geht wieder 1401 von Diessenhofen aus, wo die Juden gern ansässig waren, eine Verfolgungswelle durchs Land, nachdem das Söhnlein des Ratsherrn Lory durch dessen jüdischen Reitknecht Zan unglücklicherweise getötet worden war. Die Obrigkeiten der eidgenössischen Orte verbannten immer wieder die Juden "auf ewige Zeiten". Sie wurden u. a, auch beschuldigt, dass sie nach ihrem Belieben Teuerungen veranstalteten! Doch immer wieder waren sie da. Endlich zur Zeit der Reformation schienen sie aus den Schweizerstädten weggezogen zu sein, denn das Zinsnehmen war nun erlaubt bei christichem Zinsfuss von 5%, der jüdische hatte gern dreimal mehr, 10 bis 20%, betragen. Die Reformationszeit ging leider allzuschnell vorüber und die gehassten Juden waren wieder da. Im folgenden Jahrhundert wurden sie für die Eidgenossenschaft auf dem Boden der Grafschaft Baden in Endingen und Lengnau konzentriert, und in beiden Dörfern standen an Zahl die Dreifuss vorne an. Es scheint mir sicher, dass der Judenname Trifuss vor den Zeiten des allgemeinen Abscheus gegen die Juden, d. h, vor 1350, mit jenem Acker verbunden worden sei.

In der Nähe des Trifuss liegt passenderweise der Goldacker. Es handelt sich aber nur um sogenanntes Katzengold, das ich schon hie und da auf unserer Flur entdeckte. Findlinge aus goldglänzendem Glimmerschiefer lagen nahe an der Oberfläche und zerfielen und brachten die Goldsucher für kurze Zeit in Aufregung durch die Kunde, Gold, Gold! Auri sacra fames! sagte kopfschüttelnd genau vor 2000 Jahren ein grösster Dichter Roms, wenn er kritisch in seine Umwelt sah. Dieser verfluchte Hunger nach Gold!

Hart dabei liegt die grosse Multschere. Ist es die Form der Flur oder ist es eine Eigenart des Bodens die diesen appetitlichen Flurnamen geschaffen hat? Wenn die Hausmutter nach einer Weggenbachete die Resten des Teiges in der Bachmuelt sorgfältig zusammenschabte und Lüren dareinmischte, dann gab das für die Kinder als besonderen Schmaus die Multschere. Man nehme dazu folgende Antwort in der Sonntagsschule: "Dass da Brot i der Spising vo de füftusig guet gschmeckt hät, da chöned er mer glaube; wie häts öppe gschmeckt?" Antwort: "Wie Multschere und Gugelupfl" - "Jo, prezis".

Daran schliesst sich der Hagelsta. Man ist versucht, an ein unerhört heftiges Hagelwetter zu denken, dessen Andenken durch diesen Flurnamen so festgehalten werden sollte, dass der Hörer Lust bekam, hinzugehen und noch nach den Hagelsteinen zu suchen. In Wirklichkeit handelt es sich aber um das Andenken an einen harmlosen Hans Hagelstein in Büsingen. 1554: "fünf juchart uf der Lag, stosend abhinwärt uf junkher Batt Wilhelm Imthurns Erben und ufhinwert uf Hagelstains erben von Büsingen".

Nehmen wir zum Hagelsta gleich noch den Schiterma. Die Schitermannen stammen von Basadingen. Aber Hans Schiterma ist Bürger von Diessenhofen geworden und bebaut - neben seinem Handwerk in der Stadt - hier auf dem Lande noch einen schönen, grossen Acker und kauft um 1570 noch eine Juchart Ackerfeld dazu, und beides hatte er vom Haffner, so 1554 und 1593. Ein Vetter von ihm, Blesi Sch. v. B. wird am 26. Juni 1600 ebenfalls Bürger von D. und zahlt dafür 1000 Gulden und den ganzen winkouff, das waren wenigstens 13 000 heutige Franken. Der winkouff ist ein Trunk für die ganze Bürgerschaft, das richtige Trinkgeld. Der Bürgernutzen im Städtli muss recht gross gewesen sein, dass man einen so hohen Hag drum machte!

Und nun in weitem Sprung an Henkertswinkel! Die Beklemmung, die den klösterlichen Schreiber im Katrinental bei diesem Namen übernahm, kann man ihm nachempfinden, wenn man ihn anno 1562 so schreiben sieht: Henngketzwingkell. Schon der Wingkell ängstigte ihn, und dann war erst noch eine würgende Henngketzete dabei. Aber eigentlich war auch hier die Sache gar nicht schlimm. Schon der Winkel ist in Wirklichkeit gar kein Winkel, sondern ein offener, malerischer Landstreifen am Ostfusse des Birchbüels. Am 4. März 1267, also vor bald 700 Jahren, fiel dieser bei einem Güteraustausch des Klosters Allerheiligen unserm Banne zu. Der amtierende Abt war damals Herr Konrad von Henkart (heute Henggart), und die spottende Unzufriedenheit der Dörflinger mit dem Tausch nagelte sich fest in den Flurnamen Henkartswinkel, 1554: im Henckhertwinkel; daneben auch Henkers Winkel.

Ernsthafter und darum schreckhafter scheint es für einen Christenmenschen werden zu wollen mit der Höllenbrandshärte. So lautet der Name im Uebersichtsplan von 1936. Dagegen anno 1896 lautete er noch fast richtig - und so lebt das Wort heute im Volksmund - Helebrantsherti. 1554: vier mahd ungfarlich in Ratwisa, stosend oben uf Hildbrandswis, bsyt an büsinger ban. Also Hildbrandswiese ist der Flurname. Wer der Besitzer dieser Wiese war, die später einmal wohl wegen auffällig harten, kiesigen Untergrundes den Uebernamen Herti erhielt, das deuten folgende paar Jahrzahlen an:

1532 kauft Georg Hildbrand das Gut des 200 Jahre lang mächtigen und jetzt erlöschenden Edelgeschlechtes derer von Fulach.

1550 hilft J. H. dem Ottmar Sigg zu D. den Spendhof des Giel als Erblehenhof geben.

1555 ist Jerg Hildbrand Zunftmeister und hervorragendes Ratsmitglied in Schaffhausen.

Um 1560 gibt er der Stadt einen Karrenweg durch sein Gut, damit man den Herblinger Stein zum Munotbau führen könne.

1566 ist er Tagsatzungsherr zu Solothurn.

1566 verkauft seine Witwe Margareth Schalch und seine Tochter Ursula das gesamte Fulagut um 5036 Gulden. Ausser den Häusern gehören dazu 18 Jucharten Wieswachs und Feld und 10 3/4 Juchart Reben. - Ja, ja, es gab früher auch Leute!

Und nun 3 Aecker mit eindrücklichen Namen.

 

 

 

Zunächst der Speckacker. Der heutige Speckacker ist ein ordentlich grosses Waldstück am Fusse der Pläntere, in das sich 12 Besitzer teilen. Aber diesen Speckacker finde ich in den Urkunden nicht. Anno 1385 kaufte der erber Priester her Hans Speckli mit viel Geld eine Reihe von kleineren Grundstücken für die neuwe Bruderschaft von Costentz - da war unser heutiger Speck auch nicht dabei. 20 Jahre später, anno 1404, verkauft die Witwe Elsi Widmer einem Diessenhofer Güterhändler eine Anzahl grösserer Grundstücke, darunter auch eine Juchart "zu dem Speck" genannt, stost an die Zelgwies unter der heutigen Pünt - das war wieder anderer Speck.
Unsere Specksuchete kommt nicht ans Ziel auf dem einfachen Grund, weil wir keinen mehr haben. Speck nannte man nämlich einst, wahrscheinlich im Scherz für den Fuhrmann, ein Stück Wegs in sumpfigem Boden, das aus Knüppeln, also aus Bengeln bestand, die durch Widen verbunden waren. Solchen Fuhrmannsspeck gab es sicher einst am Riet unter der Plentere und ebenso unter der Pünt an der grossen Wasserfuri und noch anderwärts.

Anders steht es mit dem Tätschacker überm Müliweier. Wir wissen, was es ungefähr bedeutet, wenn es irgendwo tätscht, und der Tätschacker war derjenige Acker, wo sich die Dörflinger Knaben ihren Tätsch holten. Das war so: Die Freude an Wehr und Waffen ist unzertrennlich von einem Volk, das der Freiheit wert ist, denn die Freiheit muss sich wehren können. So ist es zu erklären, dass die jungen Dörflinger Jahrhunderte hindurch mit Tells Waffe im Armbrustschiessen sich fleissig übten in freiwilligem Zusammenschluss, aber nach fester "Blattenordnung". Der Preis war immer wieder eine Blatte, das ist ein zinnener Teller. Dia Armbrust war ganz aus Holz. Bei jeder Uebung hatte jeder Schütze 12 Schüsse auf die Distanz von mindestens 15 Schritten abzugeben. Als Zielscheibe diente ihnen dabei eine grosse, starke, flache Zeine, die mit feuchtem Lehm gefüllt war und aufrecht hingestellt wurde. Und eben diese Zielscheibe hiess der Tätsch, und ein kleiner, weisser Holzpflock in der Mitte war der Zweck. Wer mit seinen Schüssen am weitesten vom Zweck und Ziel entfernt blieb, war der Tätschmeister bis zum nächsten Mal. Und er hatte auch für das nächste Mal für den Tätsch zu sorgen. Der Preisgewinner aber durfte bei der nächsten Uebung nicht um die Blatte schiessen, sondern machte den Zeiger und zog die Bolzen aus.

Speck-, Tätsch- und Stanacker. - Hören wir recht! Stanacker heisst nicht, der Acker der Steine, sondern der Acker des Steines. In einer Urkunde etwa vom Jahr 1400 ist von dem Acker gesagt: "Ist eine grosse juchart hinder hoffen gegen dem grossen stain." Dieser grosse Stein hat den Aeckern zwischen Buckreben und Kalchoferwiesen den Namen Stanacker gegeben. Als ich 1890 mir zum erstenmal auf dem Herblingerweg die Gegend gwundrig besah, sagte mir mein vertrauenswürdiger Führer, Lehrer Biber, da irgendwo müsse ein grosser Stein gelegen haben, man rede noch von ihm. Als ich mich erkundigte, wo er wohl hingekommen sei, hiess es, er sei jedenfalls zersprengt und zu einem Hausfundament verwendet worden. Also ums Jahr 1900 lebte der grosse Stein noch in der Menschen Gedächtnis. Das stimmt damit überein, dass die neuen Häuser "an der Landstrasse", wie man sagte, 100 Jahre zuvor, nämlich zwischen 1815 und 1840 gebaut wurden, und dass man damals von Napoleons Zeit her auch hiezulande gerne mit Pulver umging. Somit 'ist anzunehmen, dass der grosse Stein, nachdem er manches Jahrtausend dagelegen hatte, vor 100 Jahren umgebracht und beerdigt worden sei.

Ein auffälliger, rätselhafter Name ist die Puläje. 1400: "Vor dem boläygen", 1535 ebenso, 1554: "uff der Bolayen", 1690: "Uf der Pulleyen", 1936: "Die Pulleien". Was bedeutet der Name? Einst gab ich mich zufrieden mit dem Gedanken, dass die gute, alte Zeit hier das Poleikraut als Mittel gegen die Flöhplage massenhaft bezogen habe. Aber ganz klar ist der Name von Pelagius abzuleiten. Damit stimmt sehr gut zusammen, dass die älteste Form dieses Namens von dem Boläygen spricht, nicht von einer Pulei. Der heilige Pelagius und der heilige Conrad waren die beiden Hauptschutzheiligen des Bistums Konstanz, zu dem Gailingen mit Dörflingen usw. gehörte. Der heilige Conrad war im Anfang des 10. Jahrhunderts Bischof von Konstanz gewesen und der heilige Pelagius war ein vornehmer, römischer Märtyrer in der Mitte des 3. Jahrhunderts. Im Mund der Leute hiess er Sant Poläi oder Sant Pley und uff sandt Polayentag (28. Aug.) wurde in Schaffhausen anno 1479 die Bruderkilwi samt Jahrmarkt gelegt. Es mag leicht sein, dass noch im Jahre 1400 ein Diessenhofer mit dem seltenen und verehrten Namen Pelagius die Flur erwarb, mit deren Namen wir jetzt nach 500 Jahren noch jenen Heiligen in Ehren halten wollen. Mir persönlich fällt dies besonders leicht, seitdem ich sein Bild in einem ergreifend schönen Fresko gesehen habe, das der Konstanzer Bischof, Hugo von Landenberg, über den Eingang seiner Privatkapelle im Schloss Hegi hat malen lassen.

Die letzten zwei auffälligen Flurnamen erinnern an Vertreter der Tierwelt, die sich einst bei uns mehr oder weniger wohl befanden.

 

Das ist das Storchenescht. Der Platz war von Meister Langbein gut gewählt. Zuoberst in einer riesigen alten Föhre wird das dauerhafte Nest gebaut gewesen sein, und ringsum quackte es. Generation um Generation des Storchenvolkes wuchs heran und füllte jenen anmutigen Waldwinkel mit weichem Geklapper und weissem Geflatter, so dass man von den Storchenwiesen sprach. Vom Jahre 1360 meldet eine Urkunde, "dass ein Conrad Ower dem Kloster Katharinental sin wis in Storkhwisen zue Dörflingen vergabt habe". (Nebenbei bemerkt, ist hier das Rätsel unseres "ch = kh" anschaulich gelöst.) Wie sind wir seither trocken geworden. Für die Störche ist von der einstigen Wasserherrlichkeit gar nichts mehr übrig geblieben. Für uns aber noch reichlich genug, um in zwei Brunnen ein besonders wohlschmeckendes und kaltes Wasser sprudeln zu lassen, unter dem Kaltwisli und im Schueppisbrünnili.

Und an die Tierwelt erinnert auch Wolfhag. Die Wolfsplage währte lange, so soll noch im Januar 1559 ein Schaffhauser Bauer, vielleicht ein Merishauser, unter ein Rudel Wölfe gefallen sein. Es half ihm nichts, dass er 6 der Tiere totschlug, er wurde von den übrigen zerrissen. (Im Thurm Chronik.) Und im Gefolge des 30jährigen Krieges, 1618 - 1648, nahmen sie wieder mächtig zu. Auch im 18. Jahrhundert verirrte sich noch hie und da ein unternehmender Wolf so weit nach Süden und Westen, dass sich die Mannen des Dorfes das aufregende Vergnügen einer Wolfsjagd von Gemeindswegen gestatten durften. Die Sache sah gefährlicher aus, als sie war. Der Wolfhag, in den der Wolf durch planmässiges, grossartiges Tamtam getrieben werden sollte, war eigentlich eine Falle, ein Netz aus Seilen, an Baumstämmen und Pfählen festgemacht. Entweder ging der Wolf da hinein und kam darin um, oder er ging wieder hinaus oder überhaupt daneben vorbei. In jedem Falle aber wird nachher im Dorf noch lange in Jägerlatein gesprochen worden sein.

Und nun die Gruppe der Flurnamen, in denen ein namhafter Besitzer weiterlebt. Wir ordnen sie im allgemeinen alphabetisch.

 

Der Antoni, einst der Weinberg unter der Schöbergasse zwischen Dorf und Pünt, hatte seinen Namen nicht vom Antonius von Padua, dem Lieblingsheiligen der Italiener, sondern nur vom Antoni Greber, im Jahre 1535 Klostervogt von Allerheiligen in Gailingen.

Die Baderwis, rechts unten am Weg zur Mühle, 1690 findet sie sich genannt unter den Gütern von Katharinental. Aber damals war die gute Zeit der Bader längst vorbei. Die Schweizer liebten das Wasser nicht mehr, sondern hatten sich mit Schmutz und Ungeziefer abgefunden. Im Jahre 1403 kam das Bad im Vogelsang zu Diessenhofen, wo eine heilsame Quelle geflossen sein soll, in den Besitz des Klosters. "Nachdem die badstube verbrunnen, hat Jäkkli Bader gegen lüferung einer leibgeding dem gottshaus sölichs frei aufgeben." Das Kloster wünschte Gewalt darüber zu haben, wahrscheinlich um der Zucht und Ordnung willen und um zugleich eine gute Einnahmequelle zu gewinnen. Es gewann aber dabei auch viel Verdruss.

Der Gigeberger. Davon findet sich 1554 dieser Eintrag: "Hans Gigenberg von Buchtalen git von sim wingarten zue Dörflingen jährliches drei vierter kernen, ist ain juchart, unter der Rülinstrotten gelegen, oben an die strasse und unden an Otmar Siggen garten stosend". Dabei die Bemerkung: "buwt jetzo Marti Hueber". Ein anderer Buchthaler, Steffan Metzger, hatte daneben auch eine Juchart Reben, von der es heisst: "Lit unter der Rülintrotten an Hansen Gigenbergers wingarten und stost an die Brunngass und oben an die strass". Von diesen 2 nebeneinander liegenden Jucharten Reben ist jetzt nur noch ein kleiner Rest am Leben im äussersten Zipfel des Pfarrgartens, der am Gigeberger in die Brugass hineinlangt.

 

Der Hansgarten. Was für ein Hans mag da gemeint sein? Es gab im Dorfe Zeiten, da jeder zweite Mann Hans hiess. Und warum das? Dem Erzhans vom Hansgarten zulieb und zu Ehren. Das war nämlich der Santi Hans. Es ist sehr hübsch, wie leibhaftig der Santi Hans in den Verzeichnissen angeführt wird. So um 1400: "Sant Johann hat ein Hölzli vor dem bolaygen"; 1404: "Sant Johanns äckerli unterm weg gen Herblingen"; 1554: "des Santi Hans Wis". Und noch vertrauter heisst das privilegierte Grundstück unterhalb des "Klosters" kurzweg der Hansgarten.

Der Hohschueler gehörte dem Hans Schuler von Diessenhofen, der 1535 lebte und einen Acker in der Pünt besass. Er scheint auch später dies Grundstück ob der Pünt erworben zu haben und das hiess dann notwendig der Hohschuler.

Der Huetmacher, 1554: "Im Roma ob des Huetmachers wis". Das war auch ein Diessenhofer Bürger, der in einer Zeit, da alle Welt Kappen trug, sein sonderbares Geschäft betrieb und aus Schafwolle, Hundshaar und Pech romantische Kopfbedeckungen erstellte, sog. Hüte. Unter der Weierwies besass er eine gute Wiese, daran heute noch sein Name hängt.

Morgen. Morgen ist ein merkwürdiger Flurname, nicht wahr? Es ist ein Besitzername. 1343 lebte ein Morgen in Beringen. 1362 steht ein Hans Morgen von Schaffhausen im Dienste der Herzöge von Oesterreich. Es ist sehr wohl möglich, dass gerade dieser zum Dank für geleistete Dienste mit einem guten Stück unseres Bodens belehnt wurde, das den Namen bis heute behielt, eben weil er so merkwürdig ist. 1404 verkauft Witwe Elsi Widmer einen Acker, "ist zwei juchert, gelegen zu morgen, und stost an den weg gen Randegg, darab gat ein halb vierling wax" (nämlich für eine Kirchenkerze, vielleicht eine Stiftung jenes frommen Kriegsmanns). 1554 heisst es: "Drei juchart akers, genant der Morgen, stosend vornen uff die stras und hinden uff Steffa Schmids aker" und, Stephan Schmid hat 5 Juchart "uff dem Morgen". Guten Abend, guter Morgen!

Im Moser: Hans Moser ist 1535 ein wackerer Dörflinger und reutet sich ein paar Jucharten am toten Mann und auf dem Bregenzer. 1554 aber heisst es: "Heini Sutor hat von Greta Widmers gut die stuck inn, die vormals Henslin Moser innegehebt hatt".

Der Pfaffen Acker, 1554, liegt zwischen Widum und Schueppis, also in kirchlicher Umgebung. Damals sagte man aber noch nicht: Pfaff isch Pfaff!, sondern man machte einen Unterschied und weil dieser Acker dem Pfarrer, bezw. der Pfarrpfrund von Gailingen zu eigen war, nannte man ihn des Pfaffen Acker, ganz ohne den späteren schimpflichen Beigeschmack. Buwmann, Pfaff und Ritter waren im Mittelalter die Träger des Nähr-, Lehr- und Wehrstandes, jeder gleich unentbehrlich und ehrlich wie der andere.

Rodertann, im Uebersichtsplan von 1936 betrübenderweise Rueditann geschrieben. Unter der Rodertannen, heisst es 1554. Das kleine Tannenhölzchen oder die einzelne mächtige Tanne hatte ihren Namen von der vielvermögenden Diessenhofer Bürgerfamilie der Roder, die dem Roderberg, dem Roderbrunnen und der Rodmühle den Namen gegeben. Sie stammte vom Roderhof und stellte im Jahr 1300 der Stadt Diessenhofen einen Schultheissen in Heinrich Roder. Ein Zweig des Geschlechtes lebte auch in Schaffhausen. Das Tannenhölzchen soll 1799 durch die Russen beseitigt worden sein.

Der Schneebliacker hat seinen Namen von einer Familie Schneebli aus Gailingen, die bei uns drei Jahrhunderte hindurch daheim war und uns mit ihren Töchtern manche gute Hausmutter gegeben hat. Um 1480 rühmt der alte Klostervogt Kym die vortreffliche, gewissenhafte Rebarbeit des Snewli im Oberberg, und 300 Jahre später, 1781, als innert 8 Tagen dem Kirchenpfleger Josef Schneebli, Wagner, Sohn und Vater wegstarben, verliess er den Ort und als Andenken blieb uns nur der Schneebliacker vor dem Müliweier.

Die Schottenwiesen und noch mehr der Schottenbühl werden 1554 erwähnt. Die Inhaber dieser Wiesen im Grunde unterhalb der Bünt hiessen ohne Zweifel einmal die Schotten, sicherlich ohne Schotten zu sein. Scoto war ein germanischer Personenname, und daraus wurde der Schaffhauser Familienname Schott. Es vergab z.B. im Jahre 1520 die Witwe eines Rüger Schott zwanzig Pfund für eine alljährliche Totenmesse ihres verstorbenen Ehemannes in der Kirche St. Johann. In Unterhallau wurde aus dem Schott ein Schöttli.

Im Schützerhus war die Familie der Schützer zuhaus. Man hätte sie ebensogut die Schützen nennen können. Aber, wenn man Schützer sagte, so wusste man gleich, dass das ein Name sei. Woher sie kommen, ist unmöglich zu sagen, da es überall Schützen und Schützer gab. Daraus, dass 1562 zwei Söhne des alten Hanimann Schütz, die die Oberberg- Reben als Klosterlehen übernahmen, Grosshans und Feisthans genannt wurden, kann man vermuten, dass sie Berner gewesen seien. Die Schützer sind jetzt noch im Bernbiet ein stark verbreitetes, tüchtiges Geschlecht. Sie blieben leider wenig länger als zwei Generationen hier. Sie hatten aber gedacht, länger hier zu sein, darum bauten sie sich auf der Höhe am Anfang des grossen Weinberges, der vom Talgarten bis zum Oberberg reicht, ein ansehnliches Haus. Ich denke mir gerne, im Bernerstil, das dann mit mächtigem Schermen behäbig ins Land hinausschaute. Es stand 250 Jahre lang. Im Jahr 1770 wurde es auf der Stockachischen Bannzeichnung noch grossartig eingezeichnet und darüber so etwas wie Hochstift geschrieben. Aber 30 Jahre später, auf der Neujahrsgemeinde 1801, kam es auf die Gant. Jakob Suter, Kirchenpfleger, kaufte es auf Abbruch um 25 Gulden, etwa 125 Fr. Sein Name ist dann aber im Protokoll durchgestrichen worden und eine Null dahinter gemalt, das bedeutete, ist nichts. Dafür steht nebenan die Notiz, Marti Rühli hat versprochen, auf nächste Martini zu bezahlen. (Wer merkt da nicht den Bächtilistag?) Vom Bauplatz oberhalb des Schützergässli, darauf das Haus gestanden, wurden 48 Kreuzer, etwa 3 Fr., gelöst und der Käufer Marti Mesmer zahlte bar. Es hat eben jegliches Ding auf Erden seine Zeit, auch Häuser aufrichten und Häuser abbrechen. Ich habe es erlebt, dass der Blitz dort beim Hausplatz in die Erde fuhr und ich frug mich damals, was wohl die Schützer dagelassen haben, das den Blitz anzog. Vielleicht sieht einmal einer nach, wenn er gerade nicht weiss, was machen.

Der Spitoler. So wird 1536 und 1554 der hiesige Acker des Spitals zu Schaffhausen genannt, einer öffentlichen Fürsorgeeinrichtung zugunsten der Kranken, die erfreulicherweise durch reiche Vergabungen zu sehr grossem Grundbesitz im ganzen Kanton gekommen war. Im 14. Jahrhundert vermochte der Spital Schaffhausen eine Anzahl ganzer und halber Dörfer anzukaufen! In Dörflingen gehörte ihm nur jener gute breite Streifen Landes längs dem Unterbergsträsschen. Mit 5 Jucharten wird 1554 dieser Acker angeführt. Die Anstösser werden so angegeben: "Stost vornen an die gass und hinden uf Ruhen von Gailingen acker, ouch hinden mit der Stelzen uf Vögelins acker, vornen uf Rülins breitin".

Die Spengäcker gehörten dem Spendgut von Schaffhausen. Auch diese wohltätige Stiftung zugunsten der Armen und Alten hatte grossen Grundbesitz in mancher Gemeinde des Kantons. In Dörflingen war das Schaffhauser Spendgut in 3 Erblehenhöfe zusammengefasst, die anno 1660 3 Häuser samt aller Zubehörde, 90 Juchart Acker, 4 1/4 Juchart Reben, 24 Mahd Wiesen, eine Juchart Hanfbünten und an Holz ungefähr 28 Jucharten vereinigten. Die Einnahmen des Spendamtes hieraus betrugen 22 Mutt Kernen, 20 Mutt Hafer, 9 Hühner und 96 Eier, und die Stadt Diessenhofen erhielt daraus an Vogtkernen 4 Mutt, 3 Viertel, 3 Vierling, 1 Mässli und 1 Immi. (Jede grössere Nummer dieser alten Hohlmasse umfasst 4 Einheiten des nächstfolgenden kleineren.)

 

Bozler, Häsili und Schrünteler, Schöber und Sulzer sind wohl auch Besitzernamen. Wer diese Herren waren, ist mir unbekannt. Nur von Peter Sulzer ist zu melden, dass er ums Jahr 1550 in Büsingen zuhause war und an Landstrasse und Büsinger Grenze jenen Acker inne hatte, der noch heute seinen Namen trägt,

Der Surgebel ist der Spitzname für den Heini Huber in Diessenhofen, der 1535 als Liebhaber von nüw grütt sich bei uns betätigte. Und die Ruchen in Gailingen bauten lange bei uns gutes Land, so nach der Vogtkernengült von 1637 Reben und Feld im Ruchenbüchel.

Auch der Schüfili gehört zu den Unbekannten, falls nicht der damalige Zunftmeister der Schmieden, Ratsherr und Zeugherr Philipp Schüfili (gest. 1605) es war, der in seinem Stägenfässli den guten Tropfen unserer Schüfilireben haben wollte.