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Die Namen, welche auf die

Bodengestaltung, Lage und Form

der Flur sich beziehen, bilden die erste grosse Gruppe. Sie bedürfen meist keiner Erklärung, aber es gewährt grosses Vergnügen, jede Flur in der Vorstellung genau so zu sehen, wie ihr uralter Name sie sah.

 

 

 

 

Da ist zunächst die Bratle, 1554: 10 juchart ackers, genandt die braitin, vorm hof im Oberberg ushin und ob der gass inhin, stost ushinwert an die von Gailingen. Es ist eine Breiti, wie sie in Schaffhausen die Ebene hinteren Schützenhaus nennen, hier eine schief liegende, hübsche, ebene Fläche von 10 Jucharten an der grossen Halde, Sie hiess natürlich anno 1554 d'Brati, aber der sehr wohlgeschulte Diessenhofer Stadtschreiber brachte es nicht über sich, so unverfälscht alamannisch zu schreiben, sondern schrieb, für sein Gefühl ein wenig feiner, wie er meinte, die braitin. Später kam der Schöber auf und machte die Breite viel kleiner zur Breitli, zur Bratle. Der verschulte Schreiber von 1896 machte eine Braitalen daraus; in hundert Jahren wird sie vielleicht als Pratteln weiterleben oder ins Namenlose versunken sein.

Da ist ferner der Bol, 1554: ain hofraitin, daruff hus und schür, under der strass, genandt im Bol, ouch drei mahd wisen gnandt im Bol underm hus. Man muss sich heute vieles von unserm Bol wegdenken können, um die schöne, weiche, rundliche Bodenerhöhung zu sehen, die darnals zwischen Nack und Emdwiesen lag, Was für eine Form der Name Bol meint, das lehrt uns seine rundliche Verwandtschaft. Zu dieser gehören: en Bolle, der Zwibolle (Zwiebel), der Bölle, der Böler oder Böller, die Balle, der Ball, der Ballon.
Wieso gleich neben dem Bol ein Loch, d.h. eine Lugge, eine Lücke lag, die nach Ausfüllung rief und dann durch das Haus im Loch ausgefüllt wurde, sehen wir heute nicht mehr sicher.

Im Grund und in der Grueb, 1554 ebenso. Man braucht die Namen nur zu nennen, so versteht man sie. "In einem kühlen Grunde" unter der Pläntere am nassen Riet und dahinter der massige, schwere Grundbuck, ein sprechendes Bild aus unserem abwechslungsreichen Gemeindebann. Anno 1554 hatte es auch einen "Grund beim Rinholtz", 4 Jucharten gross. Hanns Sigg, der im Bol wohnte, hatte ihn von der Prediger Gut zu Konstanz zu Lehen.

I dr Grueb, d.h. einer vertieft und geschützt liegenden Aushöhlung des Terrains baut 1554 Steffa Schmid von Diessenhofen, der die Verena Huberin zur Frau hat, 3 Jucharten, die stossen "oben an die Blatte und gegem Dorf uff Adam Rülins Morgenacker". Ja, weil die Häuser dort erst 250 Jahre später aus dem Boden wuchsen, reichte damals die Grueb bis an die Strasse hinauf, so dass es von einer Juchart heisst, sie liege in dir Grueb.

bim obern Bild. Da, wo die Strasse von Diessenhofen und der Pünt her auf die Ranziger Landstrasse trifft, hatte frommer Sinn eine Steinsäule und in einer Nische dieses Bildsteins eine kleine Holztafel mit einem Heiligenbild, vielleicht Johannes des Täufers, unseres Kirchenpatrons, aufgestellt. Und es hat ohne Zweifel sehr vielen gut getan, die da kommend oder gehend vorübergingen, wenn sie mit einem Blick den Heiligen grüssten, ein stilles Vaterunser, ein "Gegrüsst seist Du" und "Bitt für uns, jetzt und in der Stunde unseres Absterbens, Amen!" sprachen. Wir können nichts Besseres tun, als uns oft vom Schönen, Heiligen, Ewigen grüssen zu lassen.

 

Die Flur hinder Nack liegt zwischen den Bildsteinäckern und dem Nack, d.h. der stillen, schönen Höhe, an deren Südseite die Reben des Herenberges stehen. Der Nack meint den Nacken, die Höhe, zu der man am stolzen Krieger emporschaute.

Neben und über der Grueb liegt die Blatte, flach wie ein Blatt. Auf dem Umweg über das Französische wurde sie zur Platte.

An nichts Plattes denkt man bei der Pfützin ennet dem Riet, denn auf der Platte pfützt es nie. 4 Juchart Ackers in der Pfützin hinden, heisst es 1554, sampt ainem wisplätz. Noch heute spricht man vom Pfütziacker und Pfütziwisli, aber der Name besteht nicht mehr zu Recht; es ist dort trocken geworden.

Doch in den Flurnamen Schluch und Tole und Lochacker überm Grundbuck drüben klingt es, wenn gleich nicht saftig und spritzig wie vor 500 oder gar 100 Jahren, so doch wenigstens in der Idee heute noch recht feucht mit. Immerhin, einen Schluch, eine lange tiefe Rinne wie eine kleine Schlucht, hier zu finden, fällt uns zu schwer. Schluch und Tole, Tolerüti und Tolewies bilden zusammen eine grosse Flur. Eine Dole ist ein unterirdischer Abzugskanal, und es ist zweifellos noch immer so einer von der Natur geschaffen da, der beträchtliche überschüssige Gewässer nach dem Rhein abführt.

Eine noch weitläufigere ähnliche Flur ist das Schlatt. Es ist viel weitläufiger als wir denken. Auf der ausgezeichneten Geiger'schen Karte des Kantons Zürich vom Jahre 1667 nämlich trägt die ganze Gegend zwischen Birchbüel und Pläntere und Banera den Namen im ander Schlatt. Das eine Schlatt ist dann in noch weiterem Umkreis die Gegend auf der andern Seite des Birchbüels, wo heute das Dörflinger und das Büsinger Schlatt zu finden sind. Zu dieser grosszügigen Verwendung des Flurnamens Schlatt passt sehr gut die neuere Deutung des Namens. Früher glaubte man, der Name sei von slahen und schlagen abzuleiten, etwa wie Schlacht, und bedeute einen niedergelegten Wald. Jetzt sieht man in einem Schlatt eine Bodensenkung, eine grosse, flache Mulde, darin sich gerne viel Feuchtigkeit vorfindet. Das passt wirklich gut zu den 3 saftigen Ober-, Mett- und Unterschlatt uns gegenüber über dem Rhein und passt auch vortrefflich zu unserm Schlatt. Unser Schlatt wird schon frühe erwähnt, indem am 9.11.1404 die Witwe Elsi Widmer samt ihren Söhnen Haini und Cläwi und den Töchtern Anna und Elsi dem Diessenhofer Peter Gräppli neben andern Grundstücken 3 Jucharten im Schlatt, neben der "Fryen acker gelegen" verkaufte. Die Fryen, das waren die Edeln von Dörflingen, Sie waren damals längst in die Stadt gezogen, doch an 5 oder 10 Jucharten im Schlatt haftete noch ihr Name.

Wir nennen rasch noch einige Flurnamen, die sich auf Form und Umfang beziehen. Da sind die Grosswiesen zu nennen unter dem Zwing, und der Grossacker unter dem Bregenzer, auch der Grossgarten war irgendwo. Diese Namen alle hatten früher bei der spärlichen Bevölkerung mehr Wahrheit als heute. Wenn eben statt dreien ihrer zehn sich in einen Kuchen teilen müssen, so trifft es auf den einzelnen kleinere Stücke. Auf Form und Lage beziehen sich auch die Namen Winkelacker bei den Rietwiesen, Schlattwinkel und Huswinkel, wobei aber weniger an die Geometrie als an die Wertung zu denken ist; es liegt so etwas wie Geringschätzung in dem Winkelwort. Dagegen der Dorfteil im Winkel meint ein in erwünschter stiller Abgelegenheit befindliches Quartier. Zu den Namen von der Form gehören ebenfalls der Langacker unterm Speckacker und die krummen Aecker; 1554 hiess es noch der Krummacker, ob dem Bachacker. Wenn der Zagelacker und die Zagelwies, die schon 1404 und noch 1534 erwähnt werden, noch existierten, so müssten sie auch hier genannt werden, denn sie lagen lang und krumm unter der Pünt dem Bach entlang wie ein Kuhzagel, d.h. wie ein Kuhschwanz.