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Die Flurnamen von Acker- und Wiesland

Ackerland und Wiesland, daran denken wir vor allem, wenn von unserer Flur und deren Namen die Rede ist. Als Aecker und Wiesen kennen wir fast ausschliesslich die Heimaterde, den wohlbeschaffenen, abwechslungsreichen, schönen Fleck Erdboden, der von jeher die Dörflinger getragen hat und trägt, fest wie der Erde Grund. Und er trägt sie nicht nur, sondern hegt sie und nährt sie auch. Und sie? Sie lieben ihn fast über alles und sind mit ihm in Freundschaft eng und fest verbunden durch Arbeit, Freud und Leid. Von früher Kindheit an lernen ja wir Dörflinger unsere Flur kennen. Wir lernten sie schon mit Namen nennen, als die Eltern uns noch hinaus trugen auf die nahe Wiese und an den Acker hinüber. Wie merkwürdig und rätselhaft kamen uns die Namen vor, als wir später auf Botengängen oder Arbeitsgängen hinausgeschickt wurden uff de Morge und inn Schöber, inn Rome und inn Sulzer. Und als wir mit Gabel und Rechen, mit Haue und Karst hantieren gelernt hatten, wie unsäglich vieles haben wir im Lauf der Jahre auf unsern Grundstücken erlebt während der Arbeit und in den Ruhepausen, zur Saat und zur Ernte, arbeitend an wonnigem Frühlingsmorgen, in heissem Sommernachmittag, an rauhen Herbstabenden, allein und in fröhlicher oder verdrossener Gesellschaft, in freiem, leichtem Sinn oder mit ungeschicktem Sorge- und Selbstsuchtsgepäck! Und von den Eltern erfuhren wir so nebenbei etwas aus der Lebensgeschichte von jedem unserer Grundstücke und besonders dadurch kamen sie uns persönlich nahe, und diese Aecker und Wiesen selber erhielten so etwas von Persönlichkeit und Eigenart. Die einen mochten wir sehr wohl leiden, andere blieben uns wie fremd. Aber dass wir ihnen allen ihre Ehre geben müssen wie mächtig grossen Arbeitskameraden, und dass wir ihnen auf eine feine Art Dank schulden und dass wir gerecht von ihnen denken und ihnen Treue halten müssten, das gab sich wie von selbst und wir verstehen den Huggenberger sehr wohl, wenn er sagt:

Din Acker luegt dr heimli zue!
Er gseht, wie ds meinscht; er gseht, wie ds trybscht.
Er zallt di mit sim Schwige-n-us, sobald d'em öppis schuldig blybsch.
Er merkt, wie d'bi dr Arbet bischt, üb mit dr Seel, öb blos will d'muescht.
Du weisch es scho, du weisch es guet, und wenn d'au nid drglyche tuescht!
Er gseht, wie d'Garbe-n-umme wirfscht; er gseht, wenn s'Väch mues übel dra!
Gloub nu nid, 's sei dr öppis gschenkt; - dr Acker mahnt di zähmol dra!

Dass wir Dörflinger hauptsächlich Acker- und Wiesland haben müssten, das stand von jeher in den Sternen geschrieben, will sagen, die Geographie und das Klima wollen es so, in Zukunft im Einverständnis mit der tit. Planwirtschaft. So gehört also unsere Flur ganz und gar zu jenem breiten Streifen Schweizerland, der vom Bodan bis zum Leman sich hinziehend von jeher der Brotkorb des Schweizervolkes heisst und es auch heute noch grossenteils in Wirklichkeit ist. Und zwar muss bei uns der Ackerbau entschieden den Vortritt haben vor dem Wiesenbau, weil der Boden es so will. Die Statistik (leider von 1905, weil ich von W, Wirth, in "Stadt und Landschaft Schaffhausen, Zürich 1918" mich da belehren lasse) zeigt den Kanton Schaffhausen in ausgezeichneter Position. Er steht an erster Stelle unter den ackerbautreibenden Kantonen, indem er 44,3% seines Areals dem Ackerbau widmet; er steht ebenfalls vorne an, indem er nächst Genf relativ am meisten Rebbau treibt, und schliesslich ist er relativ der waldreichste Kanton, indem 42,7% seiner Gesamtfläche mit Wald bestanden ist (Zürich 27,8%, Thurgau 17,7%).

Im Jahr 1850 hatte der Ackerbau sogar 74% des landwirtschaftlichen Schaffhauser Bodens in Beschlag genommen. Es handelte sich in jener Zeit um das Experiment, durch Beackerung der Randenhöhen genügend Brot für die anwachsende Bevölkerung zu beschaffen. Aber der Ertrag lohnte den Aufwand nicht, Es wird erzählt, dass damals eine Juchart im Tal 100 Gulden, dagegen auf dem Randen kaum 2 Gulden gegolten habe. So gründlich war man durch das Experiment belehrt! Man forstete also den Randen wieder auf und warf sich neben dem Getreidebau noch auf Futterbau und Viehzucht und ist bis jetzt dabei geblieben. So überlassen wir die Kleegraswirtschaft den Kantonen Luzern, Bern und Waadt, die Grasackerwirtschaft der Nordostschweiz und die Graswirtschaft neben Wein- und Obstbau den Gegenden an den Seen. Die Intensivierung des Getreide- und Futterbaus aber, die seit reichlich 100 Jahren bei wachsenden Einsichten der Naturwissenschaften möglich und infolge der starken Zunahme der Bevölkerung notwendig geworden ist, wird beständig allgemeiner und rationeller, so dass heute der einstige Dreizelgenbetrieb uns fast wie ein komisches Märchen vorkommt, wogegen der verbesserte Dreifelder - sagen wir der Sechsfelder - betrieb in Theorie und Praxis möglichst weiter vervollkommnet wird.

Mit nachstehender Zusammenstellung von unbedingt zuverlässigen Zahlen aus kontrollierten Betrieben gab Prof. Laur auf die Landi 1939 ein vielsagendes Bild von letzter Vergangenheit und nächster Zukunft der Arbeit auf unserer Flur. Trotz allen erwünschten privaten, genossenschaftlichen und staatlichen Bemühungen um einen vollen Erfolg der Arbeit des Bauernstandes wird es bei dem unlängst noch neumodischen Spruch verbleiben. En Pur, wo nid mischte und nid rechne cha, isch siner Läbtig übel dra! Und eine Fortsetzung dazu weiss ich, der ich auch allgemeine Zustimmung wünschen möchte, etwa so, Nu de, wo blos mit Mischt und Rechne pure cha, de isch no übler dra!

Einrichtung und Ergebnis der Betriebe

 
1901 / 13
%
1935 / 34
%
1937
%
Dauerwiesen
53,0
54,8
54,9
Ackerland
41,7
41,7
41,9
davon Getreide
23,2
18,7
21,6
Kunstwiesen
9,5
14,2
10,4
Streueland
1,8
1,7
1,9
Rebland
3,1
1,1
1,1
übriges Kulturland
0,4
0,4
0,2

 

 
 
Fr.
Fr.
Fr.
Betriebsaufwand
pro ha
489
1007
909
Rohertrag
pro ha
624
1061
1148
Reinertrag
pro ha
135
54
239


Nota bene: Es sei möglich und dringend notwendig, auf allerlei Weise die Arbeitskosten zu reduzieren. Sie machen in den schaffhauserischen Kleinbauernbetrieben 45% aller Produktionskosten aus!

Welch erstaunlicher Verbesserungen der schweiz. Landwirtschaftsbetrieb fähig ist, zeigt das schweiz. Bauernsekretariat mit folgenden Vergleichszahlen:

 
1914
ha
1941
ha
 

1914
Mill. q

1941
Mill. q
Brotgetreidefläche
70500
121500
Ertrag
1,0
3,0
Kartoffelackerfläche
46500
59500
Ertrag
5,2
10,8

 

 
1911

1941

Rindviehbestand
1,44 Mill. Stück

1,58 Mill. Stück

Schweine
570 000 Stück
760 000 Stück


Das alles bei ungefähr gleicher Dünger- und Futtermittel - Einfuhr!

Das Verzeichnis aus dem Jahr 1896 führt 112 Flurnamen aus Acker- und Wiesland auf. Wir nehmen die Namen der Weingärten von 1896 noch dazu, weil diese Wingerten seither meist zu Acker und Wiese geworden sind und ihre Namen sich hier übersichtlich in die 4 Gruppen der Flurnamen einreihen lassen. Wir erhalten so etwa 130 Flurnamen, abgesehen von denen des Waldes. Sie folgen hier in alphabetischer Reihenfolge und zwar in ungefähr lautrichtiger Schreibweise der heutigen Aussprache.

Antoni Grueb Riet
Apitegger Grund Rietsaum
Bachacker Grundbuck Rodertann
Bachbrüggli Grüt Rome
Baderwis Hafnerwis Rossacker
Bette Hagelsta Ruchebüel
Blatte Halde Ruebank
Bol Hansgarte Rütili
Bozler Härdöpfelland Schiterma
Bratle Haselrichte Schlatt
Bregezze Häsili Schlattbuck
Buck Helebrantsherti Schluch
Bunt Hengstäcker Schneebliacker
Büntwise Henkertswinkel Schottewise
Chabiser Herblingerweg Schrünteler
Chälbliacker Hereberg Schueppis
Chalchoferbuck Hexetal Schüfili
Chalchoferwis Hindernack Schützerhus
Chaltwis Hinderwis Seeacker
Chilchenacker Hohschueler Seeli
Chloschter Holzwis Speckacker
Chriechli Huetmacher Spitoler
Chrummenacker Huswinkel Stagli
Chrutliacker Langacker Stanacker
Chrüzbuech Leisse Storchenescht
Emdwise Lochacker Sulzer
Erle Log Talgarte
Falletor Löre Tätschacker
Felmewis Malehe Tote Ma
Funktera Morge Trifuess
Galinger Feld Moser Underberg
Garbischbol Müliacker Vizli
Garte Multscheere Weier
Geuggis Neuwingarte Weiergässli
Gisbüel Neuwise Weierwise
Gmandacker Oberberg Widem
Gmandszilete Oberholz Winkelacker
Goldacker Pfaffenacker Wolfhag
Grossacker Pfützi Zehtfrei
Grossgarte Puläje Zwiegarte
Grosswis Ratwis Zwing
    Zwüschetgräbe

Fast alle diese Namen sind mindestens 400 Jahre alt und finden sich in den Urkunden vor der Mitte des 16. Jahrhunderts. Einige sind noch viel älter. Die meisten führen wir an nach dem Diessenhofer Vogtkernen - Urbar vom Jahr 1554. Wir ordnen sie zur Uebersicht in 4 Gruppen, je nach der Beziehung, die im Flurnamen steckt.

1. Die Namen, die auf Bodengestaltung, Form und Grösse sich beziehen,

2. Die Hauptgruppe mit dem Namen des Besitzers resp. Lehensmannes, zuerst die ältesten Namen, dann die vielen auffälligen und endlich die gewöhnlichen Besitzernamen.

3. Namen, die Bezug nehmen auf die Bepflanzung, und endlich

4. die Flurnamen, die eine rechtliche Beziehung enthalten.